Am 17. August fliege ich nach Washington D.C. Dort werde ich an der American University “Economic Policy”, im Deutschen Wirtschaftspolitk, studieren. Ich werde das Washington Semester absolvieren, das neben dem drei-tägigem Studium an der Uni zwei Tage in der Woche vorsieht, an dem ich ein Praktikum absolvieren kann. 18 Wochen lang kann ich so in bei einer Institution, Firma, Organisation oder bei Abgeordneten mitarbeiten. Jede Woche soll im Unterricht ein Themengebiet absolviert werden, an zwei festen Terminen pro Woche sind Exkursionen oder Gastredner vorgesehen. Ich werde beginnen müssen amerikanische Tageszeitungen zu lesen; die Uni schlägt die “Washington Post” und die “New York Times” vor. Zweimal pro Woche werden wir über unsere Lektüre diskutieren. Benotet werden neben regelmäßigen Tests auch Paper (ich verstehe darunter Aufsätze?!) und die mündliche Beteiligung. In einer Klasse sind zwischen 15 und 25 Studenten, vor allem aus Deutschland, Frankreich, Norwegen und Korea, wo die American University mit Hochschulen kooperiert. Auch Amerikaner belegen dieses Programm, doch ich glaube, dass ich den Amis doch eher im Wohnheim begegne als direkt in meiner Klasse.
Das scheint alles ziemlich anstrengend zu werde – zumindest wird die Lernweise gewöhnungsbedürftig. Denn in Regensburg sieht mein Unialltag komplett anders aus. Ich habe entweder Vorlesung oder Übung. Ich sitze also entweder zwischen hunderten oder nur ein paar dutzend anderen Studenten oder Studentinnen. In den Hörsälen gibt es in den meisten Fällen keine natürliche Lichtquelle.
Diese künstliche Atmosphäre schlägt mir irgendwie aufs Gemüt und macht konzentriertes Mitarbeiten manchmal unmöglich (oder ist eine billige Ausrede). Oder wer aus der Wiwi-Fakultät an der Regensburger Uni kann nicht bestätigen, dass man im H20 nicht schläfrig wurde? Zum Beispiel, wenn Dr. Schneider pünktlich zu Beginn seiner Vorlesung “Finanzbuchhaltung” die Lichter dimmte und die Säulen an den Wänden wunderbar zum Schäfchen zählen taugten.
In Sachen Campus führt die American University auf jeden Fall schon 1:0, bevor ich überhaupt amerikanischen Boden betreten habe. Denn die Regensburger Uni schaut einfach zum Davonlaufen aus. Gut, sie hat einen Architektur-Preis gewonnen und in manchen Räumen und Ecken, speziell auch in bei den Wirtschaftlern und Juristen, fühle ich mich nicht wie in einem überirdischen Bunker. Doch wie in einer anderen heruntergekommenen Bildungsanstalt. (Ich komm da nicht so rum, aber gibt es andere öffentlichen Einrichtungen oder Ämter, die in so schlechtem Zustand sind?)
Die Uni liegt auf einem Hügel im Süden der Stadt. Egal welche der drei Buslinien, die mir zur Verfügung stehen, ich nehme, um von der Altstadt zum Campus zu kommen: die Vorzeichen sind keine guten. Ich fahre wahlweise den Galgenberg hoch, über die Station “Arbeitsamt”. Oder ich komme am Bahnhof, einem Einkaufszentrum und an zwei Friedhöfen vorbei. Ich könnte allerdings auch die Strecke über das Justizgebäude und die Psychiatrie nehmen.
So wie es scheint kann mir die American University schon mal mein erste Anforderung an eine bessere Universität erfüllen. Räume mit Fenstern! Mit echtem Sonnenlicht während Vorlesungen! Und nicht alles rechteckig!
