Am Montagmorgen standen Alex und ich nach zwölf Stunden Fahrt im Bus an der Grenze zu Kanada und ich bemerkte, dass ich einen Zettel vergessen hatte ohne den ich nicht wieder in die USA einreisen darf. Risiko, dachte ich mir, und betrat das erste Mal kanadischen Boden. Unser erstes Ziel waren die Niagarafälle, die an der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada liegen. Es heißt, dass die kanadische Seite viel beeindruckender sei weshalb unser erstes Reiseziel in Kanada “Niagara Fall, Ontario” hieß.
Nach geschätzten zwei Stunden Schlaf (und einer bizarren Begegnung mit einer alten Frau) stiegen wir am frühen Morgen am Bus Terminal aus. Als erstes brauchten wir kanadisches Geld. Eine äußerst unfreundliche untersetzte Dame in ihren 50igern mit praktischem Landfrauenfrisur schickte uns zu einem nahen Convenience-Store, einem Tante-Emma-Laden. Der Weg dorthin überraschte uns sehr – nämlich negativ. Der Ort Niagara-Falls war heruntergekommen: Verlassene Häuer, deren Fenster mit Brettern vernagelt waren, Einkaufswagen voller Müll, die in der Gegend herumstanden, windschiefe Häuser, Gassen mit Unrat und keine Menschenseele irgendwo. Im Geschäft angekommen erwarb Alex eine Pepsi-Cola und ein Snickers aus den spärlich gefüllten Regalen und zweifelhaften Geschmack.

So gestärkt machten wir uns auf die Suche nach dem zweitgrößten Wasserfall der Welt, denn zwischen verfallenen Häusern werden wir ihn wohl nicht finden. An einer Bushaltestellte fanden wir eine Karte. Wir hatten keine Ahnung wo wir uns befanden und suchten deshalb die beiden Straßen, an denen wir standen am Stadtrand. Nach minutenlanger erfolgloser Suche mussten wir feststellen, dass wir uns in “Downtown” befanden. Es heißt ja, dass es auf den ersten Eindruck ankommt – den hat Kanada mal ja richtig vermasselt.



Doch die Niagara-Fälle den wieder wett gemacht. Pünktlich als wir um die letzte Kurve bogen und die zwei Wasserfälle das erste Mal sehen konnten, fing die Sonne an zu scheinen und der Himmel war richtig blau. Und es war sogar richtig warm (Im November! In Kanada! Wärmer als zu Hause allemal).
Die kanadische Seite der Fälle ist eindeutig viel beeindruckender. So hat meinen viel besseren Blick auf den kleineren der beiden Fälle auf der amerikanischen Seite und den größeren in Kanada, der wie ein Hufeisen geformt ist. Je näher man an der Horse-Shoe-Fall kam desto feuchter wurde die Angelegenheit. Schon als wir die Fälle noch nicht mal richtig gesehen haben, konnten wir kleine Wassertropfen spüren. Je näher man an kam, desto nasser wurde die Straße, desto windiger wurde es und schließlich spritzte die Gischt so, dass es wie starker Regen war. 
Was ergibt Sonnenschein und Regen? Genau: einen Regenbogen.

Noch nie habe ich so viele gesehen; sogar ein Doppel-Regenbogen entstand. Seitdem kann ich die Reaktion von dem Typ aus dem Video nachvollziehen:
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Die Fälle sind wirklich ein großartiges Naturschauspiel. Die Gischt spritzt so stark, dass alles nur noch weiß ist. Das ist ja auch kein Wunder, wenn über eine Million Liter Wasser pro Sekunde runter rauschen. Über der Wasseroberfläche haben sich Vögel postiert, die sich die Fische, die hinuntergespült wurden, schmecken lassen.

Die Sonne, die Gischt und ein klarer Himmel machten alles sehr hell. Noch nie zuvor habe ich so mit extremen Einstellungen Fotos gemacht.






Neben die Fälle haben sowohl die Kanadier als auch die Amerikaner alles aufgefahren, was ein Touristenort haben sollte: Hotelketten, ein Casino, ein Riesenrad, verschiedenste “Vergnügungsorte” wie Geisterbahnen, Wachsfigurenausstellen. Wenn das Ziel war alles möglichst bunt und geschmacklos zu halten, haben die Planer einen guten Job gemacht. In der Nebensaison im November mit einem Bruchteil von Besuchern im Sommer macht das ganze einen ziemlich trostlosen Eindruck.


Wir trafen einen Südkoreaner aus dem Bus wieder, der uns von der Illumination erzählte, bei der die Fälle irgendwie bunt werden. Gut, dachten wir uns, sehen wir uns das an, wenn wir schon hier sind. Das Problem: Es war ein Uhr, und das ganze soll um fünf Uhr beginnen. Wir saßen als rum, stiegen auf einen Aussichtsturm (Turm Nummer 2 auf unserer Reise) und warteten und warteten und warteten.


Wir begannen es uns dort oben gemütlich zu machen, was nicht einfach ist, wenn es unglaublich kalt ist. Nicht vergessen: Wir haben so gut wie nicht geschlafen, was damit endete, dass Alex einfach auf dem Boden im Sitzen schlief (es gab keine anderen Sitzmöglichkeiten). Ich hing irgendwie daneben und las. Dann war es endlich fünf Uhr. Und das versprochene Spektakel sah so aus:

Joa. War jetzt nicht so der Burner.