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Boston – Wo entweder alles schief ging oder es einfach nur viel zu kalt war um Spaß zu haben

Boston stand unter keinem guten Stern. Zuerst fanden wir kein Hostel (es ist nicht besonders klug an Thanksgiving am Donnerstagabend für eine Unterkunft am Freitag zu schauen). 13 Stunden Busfahrt hatten wir vor uns um von Toronto nach Boston zu kommen. Aus 13 wurden über 16, denn an der Grenze standen wir über eine Stunde und offenbar darf man nur Busfahrer werden darf, wenn man so richtig, richtig langsam ist zum Beispiel beim überprüfen von Tickets und grundsätzlich 40 Minuten Pause macht, wenn sie eigentlich auf 25 angesetzt ist. So verpassten wir unseren Anschlussbus um eine halbe Stunde und saßen dann drei Stunden am Busterminal in Syracuse/New York (State) fest. Wenigstens waren es drei kurzweilige Stunden, denn wir unterhielten uns mit einem Inder und wollen jetzt unbedingt nach Indien reisen.

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Am Samstag gingen wir in Boston den Freedom Trail, ein zwei Kilometer langer Weg an vielen Sehenswürdigkeiten des alten Boston vorbei. Schließlich wurde die Stadt schon 160x gegründet und ist so etwas wie die Wiege der amerikanischen Unabhängigkeit. Doch das Laufen machte nicht wirklich Spaß, wenn der Wind pfeift (grod aso wia da Behmwind) und es stechend kalt ist.

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Wir absolvierten das Ganze etwas im Schnelldurchlauf und fuhren dann nach Cambridge um Harvard zu sehen. Da wir die letzten Sonnenstrahlen aber auf der Suche nach einer Wärmequelle mit Kaffee oder Tee vergeudeten, sahen wir die Uni nur im Dunkeln. Danach ging es zu Harry Potter ins Kino.

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Auch in Massachusetts braucht man als Ausländer einen Reisepass für Alkohol. Und damit begann die Aufregung: Mein Ausweis ist weg! Mein DS19/20-Forumlar, das ich in DC vergessen habe, war nur des Dramas erster Teil. Da wusste ich wenigstens wo das Ding ist, doch mein Reisepass – einfach weg! Ich durchsuchte meine Sachen, Alex die seinen. Wir rekonstruierten die Zeit seit dem Einchecken, denn da hatte ich ihn das letzte Mal. Ich fragte an der Rezeption, wurde jedoch nur angeblafft, dass er nicht da sei. Die Nacht verbrachte ich schlaflos damit zu überlegen, wo der Pass sein könnte und was ich tun muss, wenn er wirklich verloren war. Mir schwirrte der Kopf von Kosten, Forumlaren und Bürokratie. Und dem schlimmsten, dass ich nicht nach New York zu meiner Familie und dann nach Kalifornien zu meiner Freundin kann. Ich hätte schon fast zu dem Heiligen gebetet, der für verlorene Sachen zuständig ist, aber ich hatte seinen Namen vergessen.

Am nächsten Morgen fragte ich an der Rezeption, ob ich irgendwo unsere Bustickets ausdrucken kann. Und was seh ich sofort als in das Büro ging: Meinen Reisepass, der unter einer Keksdose hervorschaut. Solche Vollidioten!

Und: Im Hostel ging die Heizung nicht! Das heißt, wenn wir morgens aus dem Haus gingen, hatten wir das Gefühl draussen sei es wärmer. Ich hatte mit langen Klamotten, inklusive Strumpfhose, Mütze, Schal und Handschuhe geschlafen und ich hab trotzdem noch vor Kälte gezittert. Wenn dann da auch noch ein Asiate im Zimmer schnarcht, dass es wohl noch zwei Zimmer weiter durch die dünnen Wände zu hören ist, verhilft das nicht auch gerade zu mehr Schlaf. DSC_0064

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New York zum Zweiten

Eindrücke aus New York City bzw. Manhattan, denn in andere Stadtteile habe ich es nicht geschafft:

  • Der Times Square ist atemberaubend. So viele Menschen, überall blinkt und leuchtet es.
  • Jeder weiß, dass New York groß ist, aber wie riesig war mir erst klar, wenn man ewig mit der U-Bahn fährt und immer noch in der unteren Hälfte Manhattans ist. Oder mal von Soho an die Südspitze ins Finanzzentrum geht.
  • Der Spruch, dass man in New York nur beim Überqueren einer Straße 20 Dollar ausgegeben hat, ist sehr war. “Wenn’s überall so schön blinkt”
  • Die Brooklynbridge ist ganz schön lang.
  • Jugendherbergen müssen nicht vermieft sein.
  • Ein warmer Herbsttag im Central Park ist herrlich.
  • Es gibt wirklich so viele gelbe Taxis.

Soundtrack zu unserer Reise:

Klicke auf ein Bild, um alle Fotos in der Gallerieansicht zu sehen:

Happy Halloween

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Wer ist weiß und stramm rechts?– Die Tea-Party!

Die Europäer sind noch immer sehr begeistert von Barack Obama, in den USA sieht das ganz anders aus. Seine Zustimmung ist in einem Rekordtief; das ist keine gute Ausgangsposition für die Mid-Term-Wahlen am 2. November.

Während die Wirtschaftskrise in Deutschland die meisten Leute nicht , hat sie die Menschen hier mit großer Wucht getroffen. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 9,6 Prozent und besonders die Langzeitarbeitslosigkeit ist sehr hoch. In diesen Zeiten der Unsicherheit sind viele Leute besonders empfänglich für einfach Antworten auf komplexe Fragen. Und genau diese einfachen und populistischen Antworten liefert die Tea-Party.

Anfang September war ein großes Treffen der Tea-Party-Bewegung in Washington DC. Das ganze Wochenende lang waren Herrscharen von Menschen in der Stadt unterwegs – allesamt weiß und in Kleidung, auf denen sooft und so groß wie möglich die amerikanische Flagge abgedruckt war. Sie trafen sich am Lincoln-Memorial. Das empfanden viele Anhänger der Civil-Rights-Bewegung als Affront, haben doch Glenn Beck und Sarah Palin gerade dort ihre Reden gehalten, wo auf den Tag genau vor 47 Jahren Martin Luther King seine berühmte “I Have a Dream”-Rede gehalten. Die Veranstaltung stand unter dem Motto “Restoring Honor” (deutsch: “Wiederherstellen der Ehre”). Was diese die Anhänger der Tea-Party denken, zeigt folgendes Video:

Meine Mitbewohnerin war bei der Rally und sie beschreibt die Menge folgendermaßen:

“The crowd that this rally brought out was kinda Southern, largely middle-aged, really angry, extremely religious, and ENTIRELY white.  I walked around D.C. this weekend feeling a little like I’d wandered into some kind of KKK-renewal convention, and I avoided these people the way they probably avoid young black men, crossing streets and averting glances out of fear of assault, because they would happily crucify me”

Die Tea-Party ist eine Sammelbewegung von religiösen Rechten und Wirtschaftsliberalen. Sie verteufeln den Staat im Allgemeinen und Obama im Besonderen. Ihre Forderungen haben sie in zehn Punkten aufgeschrieben, befürwortet ein Politiker mindestens acht von ihnen, hat er den Reinheitstest bestanden und wird von der Bewegung unterstützt. Ihr großes Ziel ist eine zweite amerikanische Revolution.

Ihre sozialen Ansichten sind reaktionär – konservativ ist kein Ausdruck mehr (und wohl eine Beleidung für jeden Konservativen). Sie sind gegen Abtreibung, gegen Homosexuelle und gegen den Islam. Die wirtschaftliche Position lässt sich recht einfach zusammenfassen: Sie lehnen den Sozialstaat ab und befürchten, dass Obama den Sozialismus einführt. Ein wichtiger Auslöser zu ihrer Gründung waren die Rettungspakete der Regierung im Zuge der Finanzkrise. 

Vor kurzem endeten die Vorwahlen für die Midterm-Wahlen im November. Vorwahl bedeutet, dass die Mitglieder der demokratischen und republikanischen Partei separat ihre Kandidaten für die Wahl aufstellen. In Delaware konnte sich überraschend bei den Republikanern die Kandidatin der Tea-Party gegen den von der Partei favorisierten Kandidaten durchsetzen. Und diese Frau hat es in sich: Unter anderem findet sie, dass Masturbation vom Teufel komme. Sie hat sich früher als Hexe bezeichnet und am Beginn ihrer Wahlkampfspots sagt sie nun “I am not a witch”. Doch sie ist nicht die einzige mit zweifelhafter Vergangenheit. In einer Aufstellung aller Kandidaten der Tea-Party in der New York Times finden weitere sechs Leute, die Ärger haben wegen nicht bezahlter Steuern oder sexuellen Übergriffen.

Die zwei führenden Köpfe der Tea-Party – der Moderator Glenn Beck und Sarah Palin, die unter einem McCain Vize-Präsidentin geworden wäre – haben beide kein poltischen Ämter inne. 

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Verstörend ist, dass die Tea-Party gerade unter Armen viele Anhänger hat – gerade die Menschen also, die von einem Sozialstaat – oder hier ganz konkret von der Gesundheitsreform – am meisten profitieren. 

Am nächsten Samstag wird die Gegen-Kundgebung, initiiert von dem Talkshow-Moderator Jon Stewart, unter dem Motto “Restoring Sanity” (“Wiederherstellung der geistigen Gesundheit”) stattfinden. Und ich werde dabei sein.

Weiterführende Links:

So sieht die Kreditkrise aus

Schreibe gerade an einem Essay über die Finanzkrise.

The Crisis of Credit Visualized from Jonathan Jarvis on Vimeo.

Welche Freiheit hätten’s denn gerne?

Wohin hat dieser American Way aber geführt? In den freiheitlichen USA, dem reichsten Land der Erde, ist die soziale Situation so schlimm wie in keinem anderen Industrieland: Die Säuglingssterblichkeit liegt weit über OECD-Durchschnitt, ebenso die psychischen Erkrankungen, die Drogensucht, die Anzahl der Menschen, die in Gefängnissen sitzen, und die Mordrate. Man könnte das als Preis der Freiheit sehen. Wenn man durch harte Arbeit nach oben käme, den sozialen Fahrstuhl also nutzen könnte, um sich den amerikanischen Traum zu erfüllen, wäre die tiefe soziale Spaltung des Landes vielleicht nicht so schmerzvoll. Aber die soziale Mobilität ist in fast keinem OECD-Land so eingeschränkt wie in den USA.

“Welche Freiheit hätten’s denn gern?”

Warum Sarrazin in den USA keine Chance hätte

Die amerikanische Journalistin Dalia Fahmy erklärt in der WELT, warum es in den USA keine Debatte über Sarrazin gäbe:

1. Die Wut in den USA ist auf illegale Einwanderer gerichtet

2. Es gibt weniger Muslime

3. Amerikanischer Muslime sind wohlhabender und gebildeter

4. Amerikaner machen sich um den Verlust ihrer Kultur sind so viele Sorgen

5. …außer wenn es um die Sprache geht

6. Amerikaner lesen keine Bücher, sie schauen TV

Bis auf den letzten Punkt, ist das alles nachvollziehbar. Dazu schreibt Oskar Piesga:

Erstens möchte ich mal wissen, wer in Deutschland das Sarrazin-Buch gelesen hat, der sich jetzt in die Debatte verwickelt sieht; zweitens stammen die explosivsten Aussagen Sarrazins ja gar nicht (nur) aus dem Buch; drittens kuckt auch die Mehrheit der Deutschen lieber Fernsehen als Sachbücher zu lesen, aber das sind vielleicht einfach nicht die Leute, die lautstark Debatten führen; und viertens kann ich mir nicht vorstellen, dass ein nationaler Politiker in den USA keinen Furor auslöst, wenn er von Judengenen quatscht.

Anreise: Da muss ich durch

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Reinhard Mey singt Blödsinn: Über den Wolken ist nicht die Freiheit grenzenlos, sondern die Langweile und Müdigkeit. Zumindest bei einem Langstreckenflug nach drei Stunden Schlaf und bescheidenem Entertainmentprogramm. Neun Stunden habe ich im Flug von Zürich nach Washington vor mich hin gedöst, unterbrochen nur von erschrockenen Blicken auf die restliche Flugdauer, Essens-, Trink- und Pinkelpausen. Mit einem unbequemeren Flugzeug bin ich noch nie geflogen (oder ich hab sämtliche Erinnerungen aus meinen Gedächtnis gelöscht). Genauso, wie Christoph Niemann das gezeichnet hat, wars:

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Der Flug ging über Zürich, wo ich den wohl teuersten Apfel meines Lebens (1,50 Euro) an einer Bar und eine Pizza mit seltsamer Konsistenz (aber ganz lecker) verspeiste.

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Die Vorfreude wurde während der langen Stunden doch größer und ich tröstete mich damit, dass ich ja noch nie soweit westlich auf dem Globus war. Und dann kam der Augenblick, in dem ich das erste Mal amerikanischen Boden unter meinen Triebwerken sah:

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Das war es wohl, was Reinhard Mey mit seiner Freiheit meinte. Zumindest wenn man aus dem Fenster schaut und ignoriert, dass man dutzenden anderen auf engstem Raum um jede Minute Schlaf kämpft.

Nach einem Toilettenbesuch kam die Fragen aller Fragen auf, einem Mythos der Fliegerei sozusagen: Was passiert nachdem ich die Spülung gedrückt habe? Stimmt es, dass das einfach alles rausgeschleudert wird?

Irgendwann landeten wir (ich und eine andere Studentin aus Regensburg) dann doch in Washington Dulles, schlängelten uns durch die Reihen vor der Passkontrolle, warteten unruhig auf unsere Koffer, bis wir bemerkten, dass wir am falschen Band standen, kauften uns unsere Tickets für den Shuttle-Bus und kamen dann um halb sieben Uhr abends (Ortszeit versteht sich) am Tenley Campus an. Wie immer bisher, wenn ich aus einem Flughafen trat, erwartete mich drückende Hitze und Schwüle. Im Shuttlebus bestätigte sich dann das erste Klischee: Eine bis zum Anschlag aufgedrehte Klimaanlage. Auch in meinem Zimmer war das erste was ich tat von “High” zumindest auf “low” zu schalten. Meine Mitbewohnerin aus Frankreich ist noch nicht angekommen, so hab ich mir gleich mal das Bett am Fenster geschnappt.

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Danach gingen wir noch ein bisschen durch die Umgebung spazieren, freute mich, dass ich tatsächlich in Amerika bin und viel um neun Uhr abends ins Bett. Kurz bevor ich einschlief, tönte dann noch eine Polizeisirene, wie ich sie nur aus Filmen kenne. Yeah, ich bin in Amerika!



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