Archived entries for Aus Washington

Nachtrag: Wo ist Walter?

Das ist Walter. Den habe ich vor kurzem kennengelernt. In meiner Kindheit hieß der ja Heini oder so. Irgendwo auf dem Wimmelbild ist Walter .

Und jetzt spielen wir das mit mir.

Anhörung im Senat zu “To Big To Fail”, an dem Tag an dem mir der US-Notenbank-Chef die Finanzkrise erklärte:

ben bernanke

bernanke

bernanke2

Timothy Geithner bei der Anhörung des Financial Services Committee, US House of Representatives am 22. September 2010:

geithner

Pfiadi D.C.!

Heute habe ich Washington verlassen. Vielleicht verbringe ich vor meinem endgültigen Heimflug nochmal einen Tag dort, doch eigentlich ist meine Zeit dort vorbei.

Heute morgen habe ich die letzten Sachen gepackt, nochmal Klamotten und Schuhe ausgemistet, damit ich meinen Koffer schließen kann. Zum Glück hat Gabrielle eine Reisetasche vergessen, die ich mir gleich unter den Nagel gerissen habe und mir die Sache gleich einfacher machte. Welcher Krempel sich doch in ein paar Monaten so ansammelt: Unterrichtssachen, Bücher, Klamotten und Schuhe, die ich mir kaufte, Souvenirs und Kleinzeugs, das zu Hause wohl in einer Kiste liegen wird, ich jedoch unbedingt nach Hause nehmen will. Natürlich könnte ich auch etwas heim schicken, aber das ist ziemlich teuer und in Anbetracht der Tatsache, dass meine Familie in einer Woche in New York anrücken wird, hinausgeschmissenes Geld.

Da stand ich dann vor meinem Wohnheim mit zwei unglaublich schweren Gepäckstücken, die ich kaum selbst transportieren konnte. Also beschloss ich mir ein Taxi zu gönnen anstatt mich zur Metro hinunter und dann wieder herauf  und dann auch noch ein paar Blocks zum Busstation zu kämpfen. Das Taxi kam dann aber nicht, auch nicht, nachdem ich zweimal wieder angerufen haben. Was solls, dann also die öffentlichen Verkehrsmittel…

Ach ja, ich bin irrtümlich die ganze Zeit davon ausgegangen, dass mein Bus um halb eins ginge, doch ich hatte einen um 11.30 gebucht. Das ist mir um 11 Uhr aufgefallen. Die Konsequenz:  Ich habe insgesamt drei Stunden bei Temperaturen um den Gefrierpunkt draußen gewartet – erst aufs Taxi, dann auf den Bus. In New York hab ich mir dann als erstes mal ne Flasche Wick MediNight gekauft und 16 Stunden am Stück geschlafen.

Schöner Wohnen in Georgetown

Georgetown ist der perfekte Stadtteil für einen windigen Herbstnachmittag einen Tag vor Halloween. Mein Reiseführer beschreibt Georgetown als die Klassenschönste, die sich dessen auch voll bewusst ist und deshalb zur Arroganz neigt, aber trotzdem von jedem toll gefunden wird. Diese Beschreibung trifft es ganz gut, denn es ist hübsch hier: Die Häuser sind die für Washington typischen schmalen Steinhäuser, oft nur zwei oder drei Meter breit, dafür aber drei Stockwerke hoch. Weiß sind nur die wenigstens angestrichen, viele in Pastelltönen oder dunkelrot. Wer hier wohnt, hat richtig Asche, oder studiert an der berühmten Georgetown University. Es gibt in Georgetown keine Metrostation. So will man sich Bettler und Obdachlose vom Hals halten, wie mir ein Bekannter erzählte, der an der Uni in Georgetown studiert (und im Gegensatz zu manchen Kommilitonen von ihm nicht in einem pittoresken Steinhäuschen leben darf).

Georgetown ist der wahrgewordene Traum von “Schöner-Wohnen”-Leserinnern und Lesern. Gefühlt hat sich jedes zweite Geschäft verschrieben, die Häuser mit skandinavischen und/oder französischen Landhausstil einzurichten oder die Menschen in die dazugehörigen warmen Brauntöne zu kleiden. Die Leute scheinen hier viel zu verschenken, denn es gibt mehr Papierläden mit Geschenkpapieren, Notizbüchern und Karten als Starbucks-Filialen (!). (Nach ausgiebiger Betrachtung habe ich mich für einen Taschenkalender für das Jahr 2011 entschieden, da eine solch wichtige Kaufentscheidung natürlich mehrfach überdacht werden muss, werde ich nochmal zurück kommen müssen).

Fotos aus dem Traum in Backstein und Pastell:

DSC_0534

DSC_0546

DSC_0554

DSC_0555

DSC_0556

DSC_0558

DSC_0563

DSC_0569

DSC_0574

DSC_0575

DSC_0577

Restoring Sanity

“Restore Sanity” war das Motto der Rally an der National Mall, die vom Late-Night-Show Moderator Jon Stewart initiiert wurde. Übersetzen kann man das Motto in etwa mit “Wiederherstellen des gesunden Menschenverstandes” und ist ein Protest gegen die Irrationalität mit der politische Diskussionen hier in den USA geführt werden. Diskussionen ist eigentlich ein viel zu sanfter Begriff, wenn es darum geht, den politischen Gegner zu verunglimpfen. Daneben ist das Motto ein Verweis auf das Treffen der Tea-Party-Anhänger Anfang September am Lincoln Memorial, das unter dem Motto “Restoring Honor” (“Wiederherstellen der Ehre”) stand. Organisator Stewart sagt zwar, dass es es keine Gegenveranstaltung sei, aber die meisten Besucher sehen sie als eine solche – und zwar eine erfolgreiche. Während die Tea-Party 87 000 mobilisieren konnte, demonstrierten am Samstag 200 000 Menschen für mehr Vernunft in der Politik.

In dieser großen Masse von Menschen hatte ich Glück, dass ich in der Nähe einer Leinwand und Lautsprechern stand und so mitbekam, was hunderte Meter vor mir auf der Bühne los war. Im Großen und Ganzen war es eine politisierte “Wetten Dass?”-Sendung mit vielen Gästen und Musikern, die für mehr Vernunft appellierten:  Die Hip-Hop-Gruppe “The Roots” spielte, genauso wie Yusuf Islam aka Cat Stevens, der aber von Ozzy Osbourne unterbrochen wurde.

Hier in Interview mit Teilnehmern der Rally, die sich auch mit der zweigeteilten Medienwelt der USA beschäftigt. Es gibt ganz klar TV-Sender die rechts oder links sind und jeweils nur ihre Sicht der Dinge darstellen.

Meine Fotos von der Rally:

Und morgen: Mid-Term-Elections!

Nerdnite

Wie es sich für einen richtigen Nerd gehört, hab ich letzte Woche meine neue Brille aufgesetzt, meine Umhängetasche umgeschnürt und bin zur Nerdnite gegangen. Was das ist? Leute treffen sich und hören sich von anderen Nerds kurze Vorträge an.

Was ein Nerd ist? Wikipedia sagt:

Nerd [nɜːd] (engl. für Langweiler, Sonderling, Streber, Außenseiter, Fachidiot) ist ein gesellschaftlicher Stereotyp, der für besonders in Computer oder andere Bereiche aus Wissenschaft und Technik vertiefte Menschen steht. Manchmal wird auch ein überdurchschnittlicher Intelligenzquotient (IQ) als begleitende Eigenschaft genannt. Am häufigsten sind Computerfreaks gemeint. Während der Begriff allgemein negativ konnotiert ist, hat er sich in Internetcommunitys und unter Computerspielern und -freaks zu einer selbstironischen Eigenbezeichnung gewandelt.[1]

(…)

Charakteristisch für Menschen, die gerne als Nerds bezeichnet werden, oder die sich selbst gerne so bezeichnen, sind ein überdurchschnittlich ausgeprägtes Interesse an der Erlangung von Fach- oder Allgemeinwissen sowie auffällig rational geprägte Denk- und Verhaltensweisen. Dies lässt sie aus Sicht ihrer Altersgenossen oft unangepasst und eigenbrötlerisch erscheinen. Viele Nerds zeigen deutlich wenig Interesse an den vorherrschenden jugendlichen oder gesellschaftlichen Trends.

Das umfassende Thema des Abends war Sucht und es waren Beiträge zu Drogen, Alkohol und Kaffee angekündigt. Aus einem mir nicht ersichtlichen Grund, gab es aber anfangs eine Präsentation über lesbische Vampire. Seitdem weiß ich, dass Lilith, die erste Frau Adams, sich von ihm trennte, weil sie nicht der “Bottom” sein wollte.

Eine Britin sprach über Drogenpolitik. Ihre Folien zur Geschichte der Drogenprohibition in den USA hinterlegte sie mit einer amerikanischen Flagge: “Ich bin Britin und man sagte mir, dass ihr mich lieben werdet, wenn ich das mache.” Und ja, es funktionierte.

Meine Notizen dazu:

  • Cannabis wurde in den Vereinigten Staaten anfangs nicht wegen der Rauschwirkung verboten, sondern auf Druck der Baumwollindustrie, die Angst vor Hanf als Konkurrenzprodukt hatte.
  • Opium ist die älteste Droge, deren Gebrauch man nachweisen kann.
  • Warum Drogen verboten sind: Jeder glaubt, sie sollen verboten sein und eine strenges Vorgehen gegen Drogen ist “politisches Viagra”
  • Ein Kilo Kokain ist in Südamerika 5000 Dollar Wert, wenn es in London auf der Straße verkauft wird 80 000 Dollar. Allein dieser Profit wird Leute nie davon abhalten Drogen zu verkaufen.
  • Die letzten drei Präsidenten der USA, Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama, haben alle drei Drogenkonsum zugegeben. Ebenso der neue britische Premierminister David Cameron.

09102010156

Danach kam ein Mann, der ein Buch über Alkoholkonsum und –kultur in den USA geschrieben hat. Zweimal haben Amerikaner wegen Alkohol ihre Verfassung geändert: 1919 um Alkohol zu verbieten, 14 Jahre später um das Verbot wieder aufzuheben, denn eine Dämonisierung war nicht erfolgreich. Heute trinken zwei Drittel der Amerikaner Alkohol. Sie beginnen aber später damit, da das legale Alter hier erst mit 21 beginnt (auch wenn eigentlich jeder vorher trinkt).

11102010175

(Zeitung aus dem Newseum)

Der letzte Vortrag war von einem Typen, der nach übermäßigen Kaffeegenuss erkrankte, und operiert werden musste. Im Grunde waren das zehn Minuten Analwitze.

Das wohl langweiligste Spiel der Welt

Es gibt wohl kaum etwas Amerikanerisches als ein Baseballspiel. Genau deshalb hab ich mich mit drei anderen Deutschen aufgemacht um das letzte Saisonspiel der Washingtoner Mannschaft “Nationals” (Nats) zu sehen. Dazu muss gesagt werden: Die Nats sind ein lausiges Team und haben in der vergangenen Saison von über hundert Spielen nur etwa ein Drittel gewonnen. Um in die Playoffs zu kommen ist das viel zu schlecht.

29092010143

Die gegnerische Mannschaft aus Philadelphia ist vielleicht auch Leuten, die sonst mit Baseball nichts anfangen können, ein Begriff, denn sie sind ziemlich gut und haben in ihrem ersten Spiel in den Playoffs zweimal irgendetwas tolles geschafft, denn die Zeitungen waren voll damit. Was es war, weiß ich nicht, denn mit den Regeln und Begriffen kann nichts anfangen (trotz des Regeln-Crashkurs während des Spiels). Jedenfalls, das Team aus Philadelphia mit dem kreativen Namen "Phillies" waren zum Zeitpunkt des Spiels schon sicher in den Playoffs. Die eine Mannschaft sicher ausgeschieden, die andere sicher weiter – das ist wohl die denkbar ungünstigste Ausgangssituation für ein spannendes Spiel und hat die Erwartungen auch nicht übertroffen.

29092010140

Das was ich auch dem TV kannte: präzise, weite Schläge (am besten ins Publikum), spannende Wettenrennen zu den Bases und Homeruns – all das passiert, allerdings nur in etwa 5 Prozent der Spielzeit. Und ich habe das Gefühl als seien diese fünf Prozent schon zu viel. Das kann aber daran liegen, dass ich zwei von drei Homeruns verpasst habe, als ich mir Bier und einen Hotdog gekauft habe.

29092010147

Was passiert die restlichen 95 Prozent? Nun ja, Spieler schlagen daneben, Spieler werfen den Ball falsch, Spieler wärmen sich auf, Spieler wechseln die Positionen. Ich frage mich, ob sich die Leute im hinteren Feld, wohin der Ball nur selten kam, weil er ja nur  gelegentlich getroffen wurde, auch so gelangweilt haben wie ich.

Gerade die hohe Fehlerquote hat mich erschreckt. Aber ein Mann vor uns, mit dem wir ins Gespräch gekommen sind, klärte uns auf: "Auch die besten Spieler treffen den Ball zu 70 Prozent nicht." Der Ball und der Schläger haben den gleichen Durchmesser, es kommt also weniger darauf an, den Ball möglichst hart zu schlagen, sondern möglichst gut zu treffen. “Du kannst es hören, wenn es ein Homerun wird”, meinte der Typ vor uns, der im übrigen alle zwei Jahre zum Oktoberfest nach München fährt.

29092010153

Das Stadion, der “Nationalspark” ist groß. Doch die meisten Plätze waren nicht besetzt. Auch nach Spielbeginn kamen weiter Leute, was ich verstehen kann, denn dass etwas wichtiges auf dem Spielfeld passiert ist ja eher unwahrscheinlich. Dementsprechend war auch die Stimmung. Mit einem Fussballstadion mit Schlachtgesängen ist das nicht zu vergleichen. Unser Nachbar klärte uns auch da auf: “Baseball ist ein ruhiges Spiel”. Nur wenn gelegentlich kam Stimmung auf, nämlich immer dann, wenn sich Leute von den Moderatoren im Stadion interviewt wurden und sie auf der Leinwand zu sehen waren. Und als es T-Shirts umsonst gab, die von den Spielern oder mit einer T-Shirt-Kanone ins Publikum geworfen wurden. Im Allgemeinen wird das Publikum die ganze Zeit über die Leinwand bespaßt und bei Laune gehalten: Es gibt Wettbewerbe, wer am besten anfeuert; ein Präsidentenrennen, in dem Lincoln gegen Franklin antritt, und jede Menge Statistiken und Wiederholungen. Irgendwie muss man ja unterhalten werden.

Die Tickets haben wir übrigens umsonst bekommen, indem wir eine Testfahrt mit einem Ford Fiesta vor dem Stadion gemacht haben. 60 Dollar hätten sie regulär gekostet (dazu meine Mitbewohnerin: “Nie im Leben kostet eine Karte für die Nats so viel! ”). Wie auch immer – wir hatten gute Plätze relativ nah am Spielfeld. Ohne die Testfahrt hätten wir die günstigsten für zehn Dollar genommen und wären dann ganz oben in den Rängen gesessen, was das Ganze wohl nicht spannender gemacht hätte.

29092010141

Ich – und alle anderen Europäer mit denen ich bisher über Baseball gesprochen habe – können die Faszination dieses Spieles nicht nachvollziehen. Warum es das amerikanischste Sport ist schon gleich gar nicht. Aber alles muss man ja auch nicht verstehen.

Festival Hoch Zwei

Gestern war ich gleich auf zwei Festivals (wobei bei einem ein wichtiges Merkmal eines Festivals, so wie ich es verstehe, nämlich Alkoholkonsum, fehlte): Vormittags beim National Book Festivalv in Washington und abends beim Free Fest in Baltimore.

poster_enlarge

Das National Book Festival richtet die Library of Congress aus und findet vor dem Capitol auf der National Mall statt. 150 000 Menschen sind gestern gekommen, um sich Lesungen und Vorträge anzuhören, Bücher signieren zu lassen und zwischen den Zelten, in denen die verschiedenen Büchergenres angesiedelt waren, zu flanieren. Obiges Plakat soll sobald ich etwas habe, das klebt (also wahrscheinlich nie) mein Zimmer zieren.

DSC_0035

Jonathan Franzen ist der aktuelle Superstar der amerikanischen Literatur und sein neuester Roman "Freedom" ist prominent in allen Bücherläden ausgestellt. Ich bin gerade im ersten Drittel des Romans, von dem ich bereits vor einiger Zeit einen Ausschnitt gelesen habe.

Jonatha_Franzen

Franzen hielt vor einer großen Menge an Menschen einen amüsanten Vortrag darüber, welche Fragen von Journalisten er am nervigsten findet. Auf Platz eins: "Was ist ihre Inspiration?" Auch dabei: “Wie viel von ihren Romanen ist autobiografisch?” Nach einem frenetischen Schlussapplaus machte ich mich auf, meine Ausgabe von "Freedom" signieren zu lassen und fand mich am Ende einer sehr, sehr langen Schlange wieder.

DSC_0028

Um dieser Menschenmenge her zu werden, hat man das Procedere professionalisiert: Jeder bekam im Vorfeld ein Post-It, auf das man den Namen schrieb, den man gern im Buch haben wollte. Eine Frau neben Franzen schlug das Buch an der richtigen Stelle auf, er unterschrieb mit kleinem Small-Talk über das Wetter. Eine Unterschrift gab’s übrigens nur auf ein Buch oder das Time-Magazin vom August, bei dem er auf dem Titel war und als größter zeitgenössischer Autor gefeiert wurde.

unterschrift_franzen

Danach fuhr ich mit meiner Mitbewohnerin nach Alexandria, um ein Auto von einem Bekannten auszuleihen um damit nach Baltimore zu fahren, zum zweiten Festival an diesem Tag: Das Virgin Mobile Free Fest ist – wie der Name schon sagt – kostenlos. Das Line-Up konnte sich wirklich sehen lassen, u.a. M.I.A., Ludacris und LCD Sounsystem.

Die Hinfahrt dauerte etwas länger, weil ich als Navigator – wie zu erwarten – keine besonders gute Figur abgab und wir uns bereits im Radius von fünf Meilen zweimal verfahren hatten. Irgendwann – dank telefonischer Navigationshilfe – haben wir auf den Beltway, die Ringautobahn um DC, gefunden. Wegen diesem Highway nennt man das, was im sich im politischen Washington abspielt, auch "Inside the Beltway".

beltway

Nach einem halbstündigen Fußweg vom Parkplatz zum Festivalgelände bemerkte ich, dass ich unsere Tickets im Auto vergessen hatte (ob das Auto zugesperrt ist, hatte ich jedoch schon überprüft…). Aber auch das hatte seine gute Seite, denn so konnte ich mit einem dieser gelben Schulbusse mitfahren, die als Shuttle-Busse eingesetzt wurden – und die wir vorher nicht bemerkt hatten.

freefest

Das Highlight war der auftritt von M.I.A., die in einem Durcheinander von Hip-Hop, elektronischer Musik und ihrer offensichtlicher Freude an dem Auftritt (und offensichtlich nicht mehr ganz nüchtern) eine großartige Show hinlegte. Inklusive Pyjamas als Bühnenklamotten, drei Backgroundsängerinnen, die in einem Burka-ähnlichen Pyjama bewegungslos auf der Bühne standen, einem vielleicht zehn-jährigen Jungen, der dem Publikum zeigte, was tanzen heisst. Irgendwann holte sie massig Leute aus dem Publikum auf die Bühne, nach dem Motto “mosh the fucking pit”.

Ein unglaublicher anstrengender Tag, der mir mein zweites signiertes Buch bescherte. (Das erste war "Gute Luft auch wenn’s stinkt” in der 2. Klasse).

Ein Italiener in Amerika

Auch wenn man sich nicht für Kunst interessierte in paar Gemälde kennt jeder und kann sie einem Maler zuordnen. Leonardo Da Vinci fällt auf jeden Fall in diese Kategorie. Die “Mona Lisa”, “Das Letzte Abendmahl” oder den “Vitruvianischen Mensch” hat jeder schon einmal gesehen. “Leonardo Da Vinci – Das Genie” heißt eine Ausstellung im National Geographic Museum die zeigt, dass Leonardo Da Vinci viel mehr war als nur ein Maler. Er war nämlich auch Ingenieur, Mechaniker, Astronom, Bildhauer, Schriftsteller, Wissenschaftler – kurz: ein Universalgenie.

Er baute Waffen und Kriegsgeräte, konstruierte Flugmaschinen und verbesserte die Effizienz von bereits entwickelten zivilen Maschinen. Besonders die Idee des Fliegens faszinierte ihn. Er macht mehrere Pläne für Flugmaschinen, erkannte dann jedoch, dass sie nicht funktionieren können, da der Mensch nicht ein Viertel seines Gewichtes in den Armen hat. Daraufhin verlagerte er seine Überlegung dahin die Windkraft auszunützen.

Vieler dieser Erfindungen wurden nie gebaut, sondern sind nur als Skizzen in seinen Manuskripten und Notizbüchern existent. Interessanterweise schrieb er in diese nur in Spiegelschrift. Bill Gates ist die einzige Privatperson, die eines dieser Codici (The Da Vinci Code!!!) besitzt.

Die Wanderausstellung hat nun einige seiner Ideen gebaut, in Originalgröße oder maßstabsgetreu kleiner. Unter anderem sind da dabei: Die Idee für das Auto oder den Helicopter.

“Vite Aerea”, die Skizze für einen Helicopter:

Leonardo_da_Vinci_helicopter

(Bild aus WikiCommons)

Nachgebaut ist das folgende Konstruktion:

02092010127

Er entwickelte nach der Pest eine ideale Stadt und führte in Mailand eine Mühlabfuhr ein. Er entwarf Bretter, auf denen es möglich sein sollte auf dem Wasser zu laufen; einen Rettungsring aus Kork; einen Anzug zum Unterwasserkampf mit dem das Atmen unter Wasser möglich sein sollte. Er machte Experiment mit Licht, um Metall schmelzen zu können.

Für Da Vinci gab es keine Kunst ohne Wissenschaft. Als Künstler in der Renaissance war er davon überzeugt, das er die Wahrheit der Welt nur durch Beobachtung ergründet werden kann. Alle Theorien müssen gegen das, was gesehen und erfahren werden kann, getestet werden.

Interessant war zu erfahren, dass das Bild der Mona Lisa, so wie wir es kennen, eigentlich gar nicht gemalt worden ist. Die Zeit hat es verändert und anstatt der Grau- und Grüntöne war es eigentlich viel farbenfroher (oder zumindest blauer):

02092010129

P.S.: Die Helicopter-Idee schloss den Kreis zum Vormittag als ich bei der Anhörung von Ben Bernanke war, der “Helicopter-Ben” genannt wird, da er im übertragenen Sinne Geld aus einem Hubschrauber schmeisst:

Library of Congress und Capitol

Ich habe geschrieben, dass wir die Library of Congress, einer der größten Bibliotheken der Welt besichtigen werden. Verzeihung, ich bin hier in den Vereinigten Staaten, natürlich ist es DIE größte.

loc Library of Congress (LoC) ist quasi die Nationalbibliothek der USA und im pre-Internetzeitalter die Informationsquelle Nummer 1 für die Abgeordneten des Kongresses, der gesetzgebenden Gewalt, gewesen. Wikipedia sagt: “Die LoC ist vom Medienbestand her die zweitgrößte, vom Bücherbestand der her die größte und insgesamt eine der bedeutendsten Bibliotheken der Welt.”

Etwas enttäuschend begann der Besuch mit einer Einführung in die Datenbanksuche bei eigenen Recherchen. Ja klar, das ist wichtig, aber das interessiert mich erst mal weniger, wenn nebenan das erste im Westen gedruckte Buch liegt. Mit unglaublicher Leidenschaft zeigte uns die Bibliothekarin die unterschiedlichen Möglichkeiten. Da sie aber zu wissen schien, wie langweilig das im Grunde ist, haben sie kürzlich veröffentlichte Bildbände ausgelegt, die sich mit der großen Depression von 1929 und der Zeit bis zum 2. Weltkrieg beschäftigen. Viele der Fotos wurden nachträglich coloriert und zeigen die sonst immer schwarz-weiße Zeit in Farbe.

2179047660_f53e13f135

(At the Vermont state fair, Rutland, Fotograf: Jack Delano, 1941)

Der Grundstein der LoC war die Privatbibliothek von Thomas Jefferson, dem Autor der Unabhängigkeitserklärung. Seine Sammlung von 6500 Büchern ist zentral platziert und kann natürlich besichtigt werden.

Die Bibliothek ist das “home of copyright”. Wer seine Bücher als nach dem amerikanischen Urheberrecht schützen lassen will, muss nur der LoC zwei Ausgaben überlassen. Das ließ Ende des 19. Jahrhunderts den Bestand enorm anwachsen und bald brauchten die Bücher mehr Platz. Heute umfasst die Bibliothek drei Gebäude am Capitol, die durch ein Tunnelsystem miteinander verbunden sind.

25082010092

Worauf die Bibliothek besonders stolz ist, ist die Gutenberg-Bibel, dem ersten im Westen gedruckten Buch (in Korea hatte man den Buchdruck schon vorher erfunden), das man während der Depression Anfang der 1930er Jahre erstand. Zwölf Stunden dauerte es, bis Gutenberg die Bibel gedruckt hatte.

(Foto der Gutenberg-Bibel aus WikiCommons)

Besonders wertvoll ist außerdem die erste Karte der ganzen, damals bekannten Welt von 1507 vom deutschen Kartographen Martin Waldseemüller. Es war das erste Mal, dass die Bezeichnung “America” auftauchte. Sieben Millionen Euro hat die LoC für die Weltkarte bezahlt. Die eine Hälfte übernahmen Privatleute, die andere wurde aus Steuergeldern bezahlt. Der Verkauf war in Deutschland von Kritik begleitet, da die Karte eigentlich dem Schutz als wertvolles, Kulturgut unterliegt, was aber mit einer Sondergenehmigung umgangen wurde.

Angela Merkel war 2007 selbst  in Washington, als die Karte dort das erste Mal entrollt wurde: “Die Bundeskanzlerin betonte in ihrer Rede, dass die Verdienste der USA für die deutsche Entwicklung in der Nachkriegszeit seinerzeit den Ausschlag dafür gegeben hätten, die Waldseemüllerkarte als Zeichen der transatlantischen Verbundenheit und als Hinweis auf die zahlreichen deutschen Wurzeln der USA an die Library of Congress zu übergeben.”

800px-Waldseemuller_map_2

(Waldseemüller-Karte aus WikiCommons)

Durch das erwähnte Tunnelsystem, ging es dann unterirdisch ins Capitol, natürlich mit Sicherheitsschranken, aber die gibt es hier in jedem Regierungsgebäude und so wie es aussieht, werde ich noch unzählige Male meinen Gürtel abnehmen müssen, um in die Gebäude zu kommen.

Der Blick aus der Library of Congress zum Capitol:

25082010091

Ein seltsamer Guide, der uns durch das Capitol führte, beschimpfte uns zuerst, beklagte sich, weil wir so langsam seien, erzählte dann viel Bullshit über sich, den niemand interessierte, redete wie ein Maschinengewehr und hetzte uns durch die Räume. Die Kuppel von innen:

25082010105

Capitol mit Baustelle:

25082010106

Das weiße Haus und Chinatown

Am Samstag machten wir eine Schnitzeljagd. Das heißt: Bei gefühlten 45 Grad und unglaublicher Schwüle gingen wir durch die Stadt. Im folgenden ein paar Eindrücke von meinem ersten Besuch der Innenstadt von Washington D.C. (Die Hitze und meine Müdigkeit hinderten mich noch mehr Fotos zu machen).

Fangen wir gleich mal mit dem an, worauf ihr alle wartet – das weiße Haus:

DSC_0032

Ich vorm weißen Haus (inkl. päpstlichen Gruß von mir und Scharfschützen auf dem Dach):

DSC_0038

Das Capitol:

DSC_0059

Heute hatte ich mit dem “Economic policy”-Programm die ersten beiden Termine in der Innenstadt. Vormittags waren wir im “Bureau of Labor Statistics”, nachmittags beim Think-Tank PEW. Danach machte ich mich mit ein paar anderen auf die Suche nach Chinatown. Ich weiß ja nicht, ob wir was übersehen haben, aber das war ja wirklich klein. Im Grund nur ein, zwei Straßen… Aber zum Essen werde ich da sicherlich nochmal hinschauen.

24082010085

24082010086

Und dann fuhr plötzlich ein gelber Schulbus vorbei. Schnell hab ich das Handy gezückt (so viele Dinge, die es wirklich und nicht nur im Fernsehen gibt):

24082010088



Copyright © 2004–2009. All rights reserved.

RSS Feed. This blog is proudly powered by Wordpress and uses Modern Clix, a theme by Rodrigo Galindez.