Ich habe geschrieben, dass wir die Library of Congress, einer der größten Bibliotheken der Welt besichtigen werden. Verzeihung, ich bin hier in den Vereinigten Staaten, natürlich ist es DIE größte.
Library of Congress (LoC) ist quasi die Nationalbibliothek der USA und im pre-Internetzeitalter die Informationsquelle Nummer 1 für die Abgeordneten des Kongresses, der gesetzgebenden Gewalt, gewesen. Wikipedia sagt: “Die LoC ist vom Medienbestand her die zweitgrößte, vom Bücherbestand der her die größte und insgesamt eine der bedeutendsten Bibliotheken der Welt.”
Etwas enttäuschend begann der Besuch mit einer Einführung in die Datenbanksuche bei eigenen Recherchen. Ja klar, das ist wichtig, aber das interessiert mich erst mal weniger, wenn nebenan das erste im Westen gedruckte Buch liegt. Mit unglaublicher Leidenschaft zeigte uns die Bibliothekarin die unterschiedlichen Möglichkeiten. Da sie aber zu wissen schien, wie langweilig das im Grunde ist, haben sie kürzlich veröffentlichte Bildbände ausgelegt, die sich mit der großen Depression von 1929 und der Zeit bis zum 2. Weltkrieg beschäftigen. Viele der Fotos wurden nachträglich coloriert und zeigen die sonst immer schwarz-weiße Zeit in Farbe.

(At the Vermont state fair, Rutland, Fotograf: Jack Delano, 1941)
Der Grundstein der LoC war die Privatbibliothek von Thomas Jefferson, dem Autor der Unabhängigkeitserklärung. Seine Sammlung von 6500 Büchern ist zentral platziert und kann natürlich besichtigt werden.
Die Bibliothek ist das “home of copyright”. Wer seine Bücher als nach dem amerikanischen Urheberrecht schützen lassen will, muss nur der LoC zwei Ausgaben überlassen. Das ließ Ende des 19. Jahrhunderts den Bestand enorm anwachsen und bald brauchten die Bücher mehr Platz. Heute umfasst die Bibliothek drei Gebäude am Capitol, die durch ein Tunnelsystem miteinander verbunden sind.

Worauf die Bibliothek besonders stolz ist, ist die Gutenberg-Bibel, dem ersten im Westen gedruckten Buch (in Korea hatte man den Buchdruck schon vorher erfunden), das man während der Depression Anfang der 1930er Jahre erstand. Zwölf Stunden dauerte es, bis Gutenberg die Bibel gedruckt hatte.

(Foto der Gutenberg-Bibel aus WikiCommons)
Besonders wertvoll ist außerdem die erste Karte der ganzen, damals bekannten Welt von 1507 vom deutschen Kartographen Martin Waldseemüller. Es war das erste Mal, dass die Bezeichnung “America” auftauchte. Sieben Millionen Euro hat die LoC für die Weltkarte bezahlt. Die eine Hälfte übernahmen Privatleute, die andere wurde aus Steuergeldern bezahlt. Der Verkauf war in Deutschland von Kritik begleitet, da die Karte eigentlich dem Schutz als wertvolles, Kulturgut unterliegt, was aber mit einer Sondergenehmigung umgangen wurde.
Angela Merkel war 2007 selbst in Washington, als die Karte dort das erste Mal entrollt wurde: “Die Bundeskanzlerin betonte in ihrer Rede, dass die Verdienste der USA für die deutsche Entwicklung in der Nachkriegszeit seinerzeit den Ausschlag dafür gegeben hätten, die Waldseemüllerkarte als Zeichen der transatlantischen Verbundenheit und als Hinweis auf die zahlreichen deutschen Wurzeln der USA an die Library of Congress zu übergeben.”

(Waldseemüller-Karte aus WikiCommons)
Durch das erwähnte Tunnelsystem, ging es dann unterirdisch ins Capitol, natürlich mit Sicherheitsschranken, aber die gibt es hier in jedem Regierungsgebäude und so wie es aussieht, werde ich noch unzählige Male meinen Gürtel abnehmen müssen, um in die Gebäude zu kommen.
Der Blick aus der Library of Congress zum Capitol:

Ein seltsamer Guide, der uns durch das Capitol führte, beschimpfte uns zuerst, beklagte sich, weil wir so langsam seien, erzählte dann viel Bullshit über sich, den niemand interessierte, redete wie ein Maschinengewehr und hetzte uns durch die Räume. Die Kuppel von innen:

Capitol mit Baustelle:
